Das Königshaus und die Schwerindustrie

Orte in Stadt und Land (4).

Seit gut fünfzig Jahren gibt es die Stadt Georgsmarienhütte, aber die Hütte selbst entstand schon viel früher. Ausgerechnet in Malbergen, wo es zu dieser Zeit nur Äcker und Wiesen gab, nahm die erste große Industrieanlage im Osnabrücker Land ihren Anfang. Warum gerade in dieser bäuerlichen Landschaft? Weil der Standort auf halber Strecke zwischen dem Eisenerzvorkommen im Hüggel und der Borgloher Kohlenzeche lag.

Das Kapital für den Aufbau der Hütte kam überwiegend vom Adel in Hannover. So entstand 1856 der „Georgs-Marien-Bergwerks-und Hüttenverein“, dem Georg V. und seine Frau Marie als Namenspatrone dienten. Georg, der letzte König von Hannover, hatte als konservativer Landesherr Vorbehalte gegenüber der Industrialisierung, ließ sich aber durch die Aussicht auf eine gute Rendite für das riskante Investment erwärmen.

Es dauerte noch einige Zeit, bis Arbeiter angeheuert, Wohnungen gebaut, Schienen gelegt und die Industrieanlagen errichtet waren. Die ländliche Lebenswelt verwandelte sich nach und nach in eine schwerindustrielle Insel. 1860 wurde die Arbeiterkolonie zur Gemeinde erhoben wurde und in dieser Form ein wesentlicher Bestandteil der Stadtgeschichte. Denn genau genommen gab die Gemeinde der Stadt 1970 ihren Namen und nicht das Werk. Gleichwohl ist die absolute Namensidentität von Werk und Kommune wohl mindestens niedersachsenweit einmalig.

1866 verleibten sich dann die Preußen das Königreich Hannover ein. Georg und Marie mussten ins Exil. 1923 übernahm der Klöckner-Konzern die Hütte. 70 Jahre später war es Stahlbaron Jürgen Großmann, der das verlustbringende Werk modernisierte und mit einem Elektroofen ausstattete.

Beim Stahl ist es also geblieben, auch wenn das Eisenerz nicht mehr aus dem Hüggel kommt. König Georg und seine Frau Marie sind heute immer noch präsent im Namen der Georgsmarienhütte Holding GmbH ebenso wie im Namen der Stadt.