Was geschah im Riemsloher Wald?

Orte in Stadt und Land (2).

Einen Drachen erschlug der Held Dietrich bei Riemsloh. So steht es in einer altnordischen Sage. Ein Ort namens Rimeslo wurde 1160 erstmals urkundlich erwähnt. Wie mag er zu seinem Namen gekommen sein?

Bereits Ende der letzten Eiszeit sollen die ersten Menschen auf dem heutigen Gebiet von Riemsloh gelebt und gejagt haben. Archäologische Grabungen legen nahe, dass es sich um die Ahrensburger Rentierjäger handelte. Sie lebten in kleinen Gruppen und hatten noch keine festen Siedlungen. Nordöstlich des heutigen Dorfes zeugen mächtige Erdwälle noch immer davon, dass Menschen eine natürliche Anhöhe befestigt haben. Dort soll im Mittelalter die Hünenburg ihren Platz gehabt haben. Sie lag an der „via regia“, der Handelsstraße von Herford nach Osnabrück. Heute steht der Name Hünenburg für eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung, deren Gebäude nur hundert Meter von der Anhöhe entfernt stehen.

Wer nach Riemsloh kommt, dem fällt als erstes die katholische Johanniskirche ins Auge, die mit der Geschichte des Ortes eng verbunden ist. Riemsloh war ursprünglich keine Gemeinde mit eigenem Grund und Boden. Die beiden Ursiedlungen Döhren und Krukum grenzten aneinander. In der Mitte lag Rimeslo mit einer Eigenkirche. Die Menschen dort wussten oft nicht, ob sie nun zu Krukum oder Döhren gehörten.

Bis heute gibt es verschiedene Sagen und Erzählungen rund um den Riemsloher Wald. In der anfangs erwähnten nordischen Islandsaga wird „rimi-loh“ mit dem Riemsloher Wald gleichgesetzt. Es könnte sich also um einen den Göttern geweihten Hain gehandelt haben. Nach Meinung der Sprachwissenschaftlerin Kirsten Casemir lässt sich dieser Zusammenhang jedoch nicht belegen. Der Historiker Ernst Förstemann steuerte einen Hinweis auf „rim des Elsetales“ bei, was soviel wie der Rand oder die Grenze zum Elsefluss bedeutet. Da Melle im Elsetal liegt, wäre hier immerhin ein Bezug festzustellen.

Günther Wrede, der ehemalige Staatsarchivdirektor von Osnabrück, liefert eine weitere Theorie für die Entstehung des Ortsnamens: „Rimeslo“ wird bereits 1160 genannt. 1277 taucht die Bezeichnung „Sutrimeslo“ auf. Wobei „sut“ anzeigt, dass es sich hierbei um eine südliche Lage handelt. 1312 wird die Ortsbezeichnung „Westrimeslo“ verwendet. Auch hierbei ist die Angabe der Himmelsrichtung offensichtlich. Beide Namen verwendet Wrede später gleichbedeutend für Döhren und Westendorf im heutigen Stadtgebiet von Melle. Da Döhren südlich vom jetzigen Riemsloh und Westendorf westlich davon liegt, besteht hier ein realistischer Bezug.

Der endgültige Name entstand aber erst nahezu 500 Jahre später. Aus „Rymesloe“ (1442), „Rimeßlo“ (1593) und „Rimschloh“ (1718) wurde schließlich „Riemsloh“ (1808). Sicher ist, dass das Grundwort „loh“ auf eine Hecke oder einen Wald hindeutet. Noch heute liegt Riemsloh in einem zusammenhängenden Waldgebiet. Das „s“ am Ende der ersten Silbe weist auf eine Genitivform hin. Daher kann man für das Bestimmungswort „riem“ von einem Personennamen ausgehen.

In den Besitzbüchern des Klosters Corvey taucht tatsächlich ein Mann mit dem Namen Rim auf. Es spricht daher einiges dafür, dass die noch heute gebräuchliche Schreibweise Riemsloh auf ihn oder einen Namensvetter zurückgeht. Leider wissen wir nicht, mit welcher segensreichen Tat er sich um den Ort verdient gemacht hat.

[/alert]