Johann Anton André (1775-1842) ist Musikinteressierten vor allem als Verleger bekannt, der Wolfgang Amadeus Mozarts Witwe Constanze 1799 den Nachlass ihres verstorbenen Mannes abkaufte und daraus später allein 79 Erstaufgaben veröffentlichte. Der passionierte Offenbacher war allerdings auch selbst als Komponist tätig und schrieb keineswegs nur für den vermuteten Publikumsgeschmack.
Mit der Sammlung „Trois Quatuors pour deux Violons, Alto et Violoncelle“, die der selbstbewusste André keinem Geringeren als Luigi Cherubini widmete, dürfte er die Erwartungen dennoch in jeder Hinsicht erfüllt haben. Zwei Werke werden auf dieser CD vorgestellt und sowohl das erste als auch das letzte Quartett besticht durch melodischen Einfallsreichtum, rhythmische Prägnanz und jene wohlabgewogene Mischung aus solistischer Brillanz und musikalischem Zusammenwirken, die den Reiz der Gattung ausmacht.
Klassisch ist hier jeder Takt, nichts stört die Balance der jeweils vier höchst inspirierenden Sätze und doch findet Johann Anton André immer wieder Gelegenheit, originelle Ideen einzustreuen und raffinert weiterzuentwickeln – so etwa im großformatigen, vielschichtig organisierten Allegro molto und im eindringlichen Adagio des ersten oder in der energischen Schlussfuge des dritten Quartetts.

Den Mittelpunkt der vitalen, detailfreudigen und sehr eleganten Aufnahme des Oxalis Quartetts bilden zwei kurze polymetrische Stücke, die in dieser Form nahezu ohne Vergleich dastehen. In den beiden Aprilscherzen „Poissons d´avril en différentes mesures sychrones“ lässt André die vier Stimmen in unterschiedlichen Taktarten spielen respektive die Taktarten mehrfach wechseln. Den Zuhörern erschließt sich dabei nicht unbedingt, was genau passiert. Sie ahnen allerdings, dass nach und nach ein dichtes, harmonisch reizvolles Gewebe entsteht, das keineswegs willkürlich verknüpft ist, sondern sich am Ende zu einem sinnvollen Ganzen fügt.
Eine rundum gelungene Einspielung, die Freunde des klassischen Repertoires begeistern wird. Experimentierfreudigere Hörer kommen aber auch auf ihre Kosten.
Johann Anton André: Streichquartette op.15 Es-Dur Nr.1 & D-Dur Nr. 3 / Poissons d’avril op. 22 & 54 für Streichquartett, cpo


