Für sein neues Album mit dem Ensemble Diderot hat sich Johannes Pramsohler einmal mehr Besonderes einfallen lassen. Der renommierte Barockgeiger greift diesmal zur Viola und präsentiert fünf Konzerte aus dem Umkreis der preußischen Hofkapelle – vier von ihnen erscheinen erstmals auf Tonträger.
Das Instrument war eigentlich nicht das Problem, auch wenn Hector Berlioz mit seiner Einschätzung, die Viola sei von allen Orchesterinstrumenten dasjenige, dessen „ausgezeichnete Eigenschaften“ man am längsten verkannt habe, sicher nicht falsch lag. Doch regelrecht in Verruf gebracht wurde die Bratsche offenbar von denjenigen, die sie mit wenig Technik, Erfahrung und Gespür zum Klingen brachten. Sie werde „gemeiniglich von den unwissendsten Lehrlingen oder blödsichtigen Alten traktirt“, schimpfte der Komponist und Musikpädagoge Johann Samuel Petri – und empfahl, das schöne Instrument „einem geschickteren“ zu geben.
Als solcher erweist sich ganz zweifellos der etatmäßige Geiger Johannes Pramsohler, der mit dem Ensemble Diderot eine hinreißende Hommage an die noch immer unterschätzte und von mehr oder weniger gelungenen Witzen eskortierte Bratsche aufgenommen hat. Seine brillante, scheinbar völlig anstrengungslose und unvergleichlich elegante Darbietung begeistert aber nicht nur in musikalischer Hinsicht.

Sie ist auch diskographisch äußerst verdienstvoll und könnte mit den beiden Konzerten für Viola, Streicher und Basso continuo von Markus Heinrich Grauel (1720-99) zwei völlig unbekannten Werken echte Repertoirechancen eröffnen. Aussichten, in Zukunft häufiger aufgeführt zu werden, haben wohl auch das gediegene Konzert von Carl Heinrich Hermann Benda (1748-1836) und das furiose Eingangsstück von Johann Gottlieb Graun (1702/03-71), das als einziges schon einmal auf Tonträger gebannt wurde. Ignaz Maras (1709-83) nur zehnminütiges Es-Dur-Konzert bildet allein durch die schlichte Liedhaftigkeit seines Largos einen reizvollen Beitrag zum Berliner Musikleben, das im 18. Jahrhundert eine geradezu explosive Blütezeit erlebte.
Phillip Schmidts informativer Booklet-Text weist denn auch auf den interessanten Umstand hin, dass die Viola im 18. Jahrhundert wohl doch nicht nur als Mittelstimme und zur harmonischen Ausbalancierung gebraucht wurde. Die vorgestellten Werke, die ihre solistischen Qualitäten ins hellste Licht rücken, scheinen eine wachsende Wertschätzung seitens des aristokratischen Publikums in den Berliner Schlössern und der bürgerlichen Zuhörer in den immer zahlreicher werdenden Musikgesellschaften zu belegen.
Viola Concertos from Berlin – Graun, Mara, Benda, Grauel, Audax Records


