In der strukturell frauenfeindlichen Musikwelt des 19. und frühen 20. Jahrhunderts war Luise Adolpha Le Beau (1850-1927) eine der erfolgreichsten und am häufigsten aufgeführten Komponistinnen. Ihre Arbeiten wurden verlegt, oft wohlwollend (wenn auch zumeist zeittypisch gönnerhaft) besprochen, doch der Weg ins Repertoire blieb ihnen bis heute verwehrt. Was das Publikum verpasst, zeigt nun eine exzellente Aufnahme dreier Orchesterwerke.
Die entscheidende Motivation für die Niederschrift ihrer Autobiographie nannte Luise Adolpha Le Beau gleich zu Beginn ihrer 1910 erschienenen „Lebenserinnerungen einer Komponistin“. Sie wollte die vielen Schwierigkeiten aufzeigen, „welche einer Dame auf dem Gebiet der musikalischen Komposition entgegenstehen, auf den Neid und die Missgunst der Kollegen, sowie auf die Vorurteile und den Unverstand gerade derjenigen Kreise, welche am meisten berufen und in der Lage wären, ein Talent zu fördern, (…).“
Le Beau wusste wovon sie schrieb, denn obwohl sie zu den erfolgreichsten Komponistinnen ihrer Zeit gehörte, stieß sie immer wieder an die engen Grenzen, die Frauen von der männlich dominierten Gesellschaft gezogen wurden. Ihre diesbezüglichen Erfahrungen begannen nicht bei dem Lehrer Josef Gabriel Rheinberger, der sie eines Tages mit „Herr Kollege“ ansprach und ihre Violinsonate op.10 „männlich, nicht wie von einer Dame komponiert” fand – und sie endeten nicht vor dem Tor des Großherzoglichen Hoftheaters Karlsruhe, das ihre einzige Oper „Der verzauberte Kalif“ aufführen wollte, es sich dann aber doch anders überlegte.
Trotzdem ließ sich Luise Adolpha Le Beau, die in München, Wiesbaden, Berlin und lange Jahre in Baden-Baden lebte, nicht von ihrem Weg abbringen. Vielmehr präsentierte sie dem Publikum – anders als so manche entmutigte Zeitgenossin – auch großformatige Werke, allerdings in der Regel immer nur eines in den unterschiedlichen Gattungen. Die hier aufgenommene Konzertouvertüre F-Dur op.23, das Klavierkonzert in d-Moll op.37 und die Sinfonie in F-Dur op.41 sind also auch im Rahmen ihres eigenen Oeuvres Unikate geblieben.

Das bemerkenswerteste Stück ist das von dem auf Seitenpfaden immer trittsicheren Oliver Triendl und dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt unter Ernst Theis hinreißend gespielte Klavierkonzert, das 1888 komponiert, aber erst 1922 uraufgeführt wurde. Die originelle und phantasievolle motivische Arbeit verbindet den opulenten, gut 14-minütigen Eingangssatz mit dem kantablen „Poco Adagio“, das absolute Ohrwurmqualitäten aufweist und dem rasanten Schlusssatz, der in puncto Dramatik und Virtuosität keine Vergleiche zu scheuen braucht.
Auch Ouvertüre (1881) und Sinfonie (1895) zeigen, wie souverän Le Beau das klassisch-(früh)romantische Erbe zu adaptieren und auf der Grundlage ihrer ausgefeilten Orchestrierungskunst eine eigene Musiksprache zu entwickeln verstand. Das Booklet zitiert einen zeitgenössischen Kritiker der Sinfonie mit den Worten: „Die formale Behandlung ist eine vorzügliche, das Gedankenmaterial ist ein gehaltreiches.“ Wer allein das eingängige Adagio hört, wird dem zustimmen. Oder einfach denken: Tolle Musik!
Luise Adolpha Le Beau: Konzertouvertüre F-Dur op.23 / Klavierkonzert d-Moll op.37 / Sinfonie in F-Dur op.41, cpo


