Im März 2027 jährt sich der Todestag Ludwig van Beethovens zum 200. Mal. Unsere neue Reihe aus dem Archiv Historische Bildpostkarten ist dem Andenken des großen Komponisten gewidmet. Im ersten von drei Teilen begegnen wir ihm im Jahr 1812, als Franz Klein seine Gesichtszüge für die Ewigkeit festhielt.
Die Karte zeigt die Lebendmaske Ludwig van Beethovens, die er selbst herstellen ließ und die etliche Maler und Fotografen als Vorbild für ihre Porträts genutzt haben – im Bewusstsein, damit das ‚wirkliche‘ Aussehen dieses weltbekannten Komponisten wiederzugeben. Der Schatten über der linken Wange und Schläfe lässt die Gesichtszüge plastisch hervortreten und gibt den leicht abwärts gerichteten Linien des Mundes sowie dem energischen Kinn deutliche Konturen.
Hinter den geschlossenen Augen vermutet man mentale Stärke und konzentriertes Denken, offenkundig wollte der Fotograf etwas von der Aura einfangen, die Beethoven als Künstler und Mensch zugeschrieben wird. Als Zeichen der Verehrung dienen tiefdunkle Lorbeerzweige. Sie ersetzen die dichten gewellten Haare, nach Anton Schindler: Beethovens ‚Löwenmähne‘, die auf den meisten Porträts als Markenzeichen des Komponisten gilt.
Als Bildhintergrund fungiert der Anfang der 1798 verfassten „Grande Sonate Pathétique“ in der für Beethoven charakteristischen Tonart c-Moll. Das Notenbild ist in der Verkleinerung zwar nur mühsam lesbar, deutet aber besonders im „Grave“ mit den Akkordwiederholungen und den auffälligen schwarzen Balken bei den Notenwerten das im Titel angegebene Pathos visuell an. Das danach einsetzende stürmische „Allegro di molto e con brio“ endet abrupt nach einer abstürzenden Linie im dreifachen Fortissimo. Beide Satzteile demonstrieren in ihrer Dramatik und ihrem überwältigenden Kontrast den kompromisslosen Gestaltungswillen Beethovens.
Es ist die Leidenschaft, das individuelle, von Humanität geprägte Pathos dieses Komponisten, gezügelt von einem klassischen Formkonzept, das viele Menschen bis heute begeistert. Der Finalsatz der 9. Sinfonie, vermutlich das bekannteste Werk Beethovens, gipfelt in einem Aufruf für ein ‚brüderliches‘ Miteinander aller Menschen. Die Melodie ist aus dem Aufbau des gewaltigen Finales geboren und dient, zweihundert Jahre nach dem Tod des Komponisten, der gesellschaftlichen und politischen Orientierung im heutigen Europa.



