Opulentes Quintett, elegante Sonate

Zu Lebzeiten hochgeschätzt und regelmäßig aufgeführt ist das Oeuvre Johanna Müller-Hermanns (1868-1941) heute ein Fall für Raritätensammler. Dass mindestens ihr Streichquintett in a-Moll und die Cellosonate in G-Dur zu den Meisterwerken ihrer Gattung zählen, beweist das Ensemble Louise Farrenc nun mit einer phänomenalen Einspielung.

Kurz nach dem Tod Johanna Müller-Hermanns im April 1941 appellierten ihre Schwester Tona und die nächsten Freunde der Komponistin an Protagonisten der österreichischen Kulturszene, „ein gerade auf dem klassischen Musikboden Wiens so oft begangenes Unrecht zu verhüten“. Man möge die Werke der Verstorbenen doch weiterhin pflegen oder etwaigen Aufführungen wenigstens als Zuhörer beiwohnen. Die Dirigenten Wilhelm Furtwängler, Clemens Krauss und Robert Heger, der Komponist Josef Bohuslav Foerster, Sänger, Musiker und Verleger sagten ihre Mitwirkung zu.

Der Versuch, das Andenken der verehrten Schwester zu retten, war aller Ehren wert. Aber nicht von Erfolg gekrönt. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Müller-Hermanns tonal grundierte, gedankenschwere Werke kein Publikum mehr und auch ihre herausragende pädagogische Lebensleistung als wohl erste Kompositionsprofessorin im deutschen Sprachraum geriet mehr und mehr in Vergessenheit.

Entsprechend überschaubar waren die diskographischen Bemühungen, die das Ensemble Louise Farrenc mit einer ebenso energiegeladenen wie feinziselierten Einspielung nun allerdings auf ein neues Niveau gehoben hat. Das gut vierzigminütige Streichquartett aus dem Jahr 1909 entpuppt sich dabei weniger als eine Hommage an ihre akademischen Lehrer Alexander von Zemlinsky, Franz Schmidt oder den schon erwähnten Bohuslav Foerster, denn als originelles Meisterwerk, das durch die Vielzahl einfallreicher Themen und seine kunstvolle formale Gestaltung besticht. Vor allem der suggestive, großangelegte dritte Satz, der als „Adagio con espressione“ das Herzstück des Quintetts bildet, ist ein kammermusikalisches Juwel ersten Ranges.

Die 14 Jahre später entstandene Cellosonate scheint deutlich kleiner dimensioniert, steht dem Quintett in puncto musikalischer Qualität aber in nichts nach. Danijel Detoni (Klavier) und Kajana Pačko (Violoncello) finden das perfekte Timing für das eilig dahinströmende Moderato, bringen aber auch das anmutige Allegretto und den gediegenen Schlusssatz sehr einnehmend zu Gehör.

Johanna Müller-Hermann: Streichquintett a-moll op.7, Cellosonate G-Dur op. 17, cpo