Die Trompetenkonzerte von Bernd Alois Zimmermann (1954), Heinz-Karl Gruber (1999) und Péter Eötvös (2002/2016) gehören zu den bekanntesten der vergangenen Jahrzehnte und fast schon zum Standardrepertoire dieses außergewöhnlichen Instruments. Clément Saunier vereint die drei nun im Zeichen ihrer gemeinsamen Inspirationsquelle.
Ohne den Einfluss des Jazz und herausragender Trompeter wie Louis Armstrong, Roy Eldridge, Dizzy Gillespie oder Miles Davis (die ihrerseits natürlich ebenso von europäischen Traditionen geprägt wurden) hätte sich das Trompetenkonzert im 20. und 21. Jahrhundert zweifellos anders entwickelt. Auch die Werke von Zimmermann, Gruber und Eötvös spielen mit jazzartigen und -ähnlichen Melodiefragmenten, Rhythmen und Harmonien und integrieren sie in den Klangraum der modernen klassischen Musik.
Die Resultate sind so unterschiedlich wie die Komponisten. Während Bernd Alois Zimmermann das Spiritual „Nobody knows de trouble I see“, das auch Louis Armstrong auf sehr eigenwillige Weise interpretierte, zu einer tiefsinnigen Reflexion und schließlich zu einem hymnischen Appell gegen jede Form des Rassismus verdichtete, entwarf Heinz-Karl Gruber in seinem Konzert „Aerial“ eine dystopische Landschaft, in der gleichwohl noch Bewegung herrscht, wenn nicht sogar getanzt wird.

Für Péter Eötvös bedeutete der Jazz dagegen seit Kindertagen eine „mysteriöse, verbotene Welt“, weil er die Musik über Kurzwellensender verfolgte, die im Ungarn der 1950er Jahre im Verdacht standen, auch „antikommunistische Propaganda“ zu verbreiten. Trotz Störsignalen, Knistern und Pfeifen grub sich der „Puls des Jazz“ tief in sein musikalisches Gedächtnis. Noch Jahrzehnte später bezeichnete er den 2002 komponierten und 2016 überabeiteten „Jet Stream“ für Trompete und Orchester und andere jazzbasierte Werke als „´message in a bottle´ from my world to jazz lovers“.
Clément Saunier spielt die drei Werke mit der hellwachen Sinfonia Varsovia unter Wilson Hermanto ebenso hingebungsvoll wie technisch brillant und stets im Bewusstsein des Innovationssprungs, den die drei Konzerte – jedes auf ganz eigene Weise – im klassischen Repertoire bedeuteten. Unbedingt mehrfach anhören!
Bernd Alois Zimmermann: Trompetenkonzert „Knowbody knows de trouble I see“ / Péter Eötvös: Jet Stream für Trompete & Orchester / HK Gruber: Trompetenkonzert „Aerial“, Claves


