Seine Operette „Ein Walzertraum“ wird noch ab und an gespielt, gelegentlich gibt es eine Neuinszenierung der burlesken Offenbachiade „Die lustigen Nibelungen“ und die Musik zu Max Ophüls´ Film „Der Reigen“ verdient natürlich das Prädikat ikonographisch. Ansonsten ist es still geworden um das so breit gefächerte Oeuvre des Komponisten Oscar Straus (1870-1954). Ernst Theis stellt mit dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt nun zwei nachgerade klassische Orchesterwerke vor.
Obwohl Oscar Straus vom fast gleichnamigen, aber nicht verwandten Walzerkönig quasi zur Nachfolge verpflichtet wurde, trat er nicht wirklich in die ausgebreiteten Fußstapfen. Seine ersten Operetten „Die lustigen Nibelungen“ (1904) und „Hugdietrichs Brautfahrt“ (1906) waren den parodistischen Attacken eines Jacques Offenbach oder Arthur Sullivan deutlich näher als den Kassenschlagern der Wiener Landsleute – und selbst sein mit Abstand größter Erfolg „Ein Walzertraum“ (1907) avancierte bei näherer Betrachtung eher zu einer spitzbübischen Satire des eigenen Titels.
In der Frühzeit des Komponisten findet sich überhaupt kein rechter Bezug zur leichten Muse. Zweifellos das Ergebnis der durchaus umstrittenen Erziehungsmethoden seines erzkonservativen Lehrers Max Bruch, der Unterhaltungsmusik mindestens so leidenschaftlich verabscheute wie „die Moderne“ insgesamt. Obwohl Straus das Studium schließlich abbrach, komponierte er rund um die Jahrhundertwende zahlreiche „klassische“ Lieder und Orchesterwerke, Kammermusik und komische Opern.

Die 1898 in Mainz uraufgeführte symphonische Dichtung „Der Traum ein Leben“ umrahmt Grillparzers Hohelied biedermeierlicher Selbstbescheidung mit einer Pastorale, die den nahenden Schlaf ankündigt und dem sprichwörtlich bösen Erwachen, das allerdings den Blick frei macht auf eine neue, freundlichere Lebensperspektive. Zugegeben, wegen dieser hübschen, aber auch etwas vorhersehbaren Viertelstunde muss die Musikgeschichte nicht neu geschrieben werden. Blickt man auf die handwerkliche Solidität, die Eleganz des Tonfalls und das markante, antreibende rhythmische Gepräge, erkennt man allerdings schon einige Charakteristika des Komponisten, der später in ganz Europa und – vor und nach seiner Vertreibung durch die Nationalsozialisten – auch in den USA für Furore sorgte.
In der Ballettmusik „Die Prinzessin von Tragant“ (1912) sind sie voll ausgeprägt. Mit dem 45-minütigen Einakter, den Oscar Straus im Auftrag der Wiener Hofoper schuf, beerbte er Johann Strauss dann doch auf gewisse Weise. Schließlich hatte der Walzerkönig sein „Aschenbrödel“ nicht mehr vollenden können. Die Geschichte des armen Holzsoldaten, der am Ende die stolze Prinzessin erobert, inspirierte Straus zu 15 Musiknummern, die sein Talent, auf engstem Raum immer neue Ideen zu erzeugen und weiterzuentwickeln, eindrucksvoll belegen.
Ernst Theis und dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt gelingt auch ohne Bühnenunterstützung eine noble, sehr transparente Darstellung, die permanent in Bewegung ist und dabei immer wieder Richtung und Stimmung ändert. Bis der abschließende, grandios inszenierte „Jubelwalzer“ diesem nur gespielten Tanzvergnügen ein fast abruptes Ende setzt.
Oscar Straus: Symphonisches Gedicht „Der Traum ein Leben“ / Ballettmusik „Die Prinzessin von Tragant“, cpo


