Mit großen Komponistennamen kann dieses Album nicht aufwarten. Mitreißende, höchst unterhaltsame Musik wird trotzdem geboten, wenn drei Mitglieder des Ensembles „Wunderkammer“ Cellosonaten von Heinrich Stiehl (1829-83) und Carl Schuberth (1811-63) spielen.
Dass hier Werke aus der zweiten Reihe erklingen, will Booklet-Autor Peter Uehling ebenso wenig in Abrede stellen wie den Umstand, dass ihre Schöpfer mitunter dazu neigten, Virtuosität als Selbstzweck zu betrachten. Doch schließlich werde das Musikleben vor allem von denen aufrechterhalten, „die ein Niveau sichern, und ohne ein Wissen um dieses Niveau wird auch unsere Rede von den Genies irgendwann hohl“.
Recht hat Uehling und auch wenn Stiehl und Schuberth nicht auf der Etage von Beethoven, Schumann oder Brahms agierten, waren sie doch keinesfalls Randfiguren der Musikgeschichte. Der renommierte Organist Heinrich Stiehl wurde von keinem Geringeren als Anton Rubinstein an sein Petersburger Konservatorium geholt, um dort als Orgelprofessor tätig zu sein und später unter anderem Peter Tschaikowski zu unterrichten. Derweil reüssierte Carl Schuberth als Cellovirtuose in mehreren europäischen Ländern, komponierte vorzugsweise für den eigenen Gebrauch und machte sich auch als Dirigent und Musikdirektor einen Namen.

Die hier versammelten Werke sind eng miteinander verflochten. Heinrich Stiehls Sonate für Violoncello und Pianoforte, die 1860 mit dem Preis der deutschen Tonhalle in Mannheim ausgezeichnet wurde, trägt die Widmung „meinem Freunde Carl Schuberth“. Dessen „Grand Nocturne élégiaque“ ist wiederum Anton Rubinstein und seinem eigenen Schüler Carl Davidoff zugeeignet. Mit Schuberths „Grande Sonate für Pianoforte und Violoncello in D-Dur“ ergeben sie eine gute Stunde stimmungsvoller, hochromantischer Kammermusik voll eingängiger Melodien, ausufernder Kantilenen und dem einen oder anderen technischen Kabinettstückchen.
Stiehl und Schuberth gelingt es nicht immer, inhaltlichen Leerlauf und hohles Pathos zu umschiffen – sie warten aber auch mit aparten, durchaus originellen Ideen auf. So entpuppt sich das „Grand Nocturne élégiaque“ als kleines Klaviertrio – allerdings mit zwei Celli und Klavier. Derweil setzt Stiehl mitten in seiner opulenten Cellosonate zu einer Art Instrumentalvertonung von Mörikes Gedicht „Lass o Welt, o lass mich sein“ an.
Die Cellisten Martin Seemann und Bettina Messerschmidt vermitteln mit der Pianistin Mira Lange, die einen Hammerflügel von Streicher & Söhne aus dem Jahr 1864 spielt, einen spannenden, hochvirtuosen und klangintensiven Eindruck von diesen kaum mehr bekannten Komponisten und ihren noch immer hörenswerten Werken.
Cello Sonatas of the Romantic Period. Heinrich Stiehl: „Preis-Sonate“ für Violoncello und Pianoforte a-Moll op.37 / Carl Schuberth: „L´Adieu“. Grand Nocturne élégiaque op. 6 für zwei Violoncelli und Klavier op.6; Grande Sonate für Pianoforte und Violoncello D-Dur op. 43


