Kurz vor Ostern bringt ein Doppelalbum zwei Meisterwerke barocker Klangentfaltung zusammen. Unter der Leitung von Lukas Wanner musizieren die Ensembles „Zeronove“ und „I pizzicanti“ die „Missa paschalis“ von Jan Dismas Zelenka und Georg Friedrich Händels „Funeral Anthem for Queen Caroline“.
Dass das 1737 aus Anlass der Beerdigungsfeierlichkeiten für die englische Königin Caroline geschriebene „Funeral Anthem“ zu Händels herausragenden Werken gehört, hatte auch mit persönlicher Betroffenheit zu tun. Die Gemahlin des britischen Königs Georg II. war eine langjährige Begleiterin, Freundin und wichtige Förderin des Komponisten. Für den Trauergottesdienst in der Westminster Abbey schrieb Händel einen Klagegesang, der, ausgeführt von rund 80 Sängern und 100 Instrumentalisten, die Zuhörer tief beeindruckt haben muss.
Doch auch in kleinerer Besetzung entfaltet die Mahnung an die Vergänglichkeit des Lebens eine tiefe, unvergleichliche Wirkung, was auch damit zusammenhängen mag, dass die „barmherzige Güte des Herrn“ der Trauer schließlich ein Ziel setzt. Von der Hoffnung auf göttlichen Beistand nach dem Ende des irdischen Lebens ist der Weg zu Zelenkas „Missa paschalis“ nicht mehr weit.
Komponiert zum Osterfest 1726, dokumentiert das knapp 40-minütige Werk die wichtige Rolle, die Zelenka während der Glanzzeit katholischer Sakralmusik am Hof August des Starken spielte. Denn auch wenn ihm auf der Dresdner Karriereleiter desöfteren Kollegen im Weg standen – Johann David Heinichen etwa oder später Johann Adolf Hasse – gehörte er zu den bedeutendsten Komponisten seiner Epoche.

Der lateinische Messe-Text bildet in der „Missa paschalis“ die Grundlage für 19 musikalische Einheiten, deren Bandbreite vom strahlendem „Kyrie eleison“ über das beschwörende, von einer Doppelfuge beschlossene „Gloria“ und das innige, in seiner Schlichtheit umso eindrucksvoller wirkende „Benedictus“ bis zum kurzen, aber triumphalen, mit Pauken und Trompeten begleiteten „Dona nobis pacem“ reicht.
Das Chorensemble „Zeronove“ übernimmt in dieser Produktion auch herausfordernde solistische Aufgaben – wie etwa die mit ihrem warmen, im „Benedictus“ leuchtenden Sopran herausragende Sopranistin Carolin Franke. Mit klarer Artikulation und einem Gespür für barocke Klangproportionen unterstreichen die Sänger und die Instrumentalisten von „I pizzicanti“ den außergewöhnlichen Rang der „Missa paschalis“. Auf diesem Doppelalbum behauptet sie sich neben einer der berühmtesten Händel-Kompositionen, deren suggestive Kraft von Lukas Wanner eindrucksvoll in Szene gesetzt wird, als veritables Meisterwerk. Jan Dismas Zelenka gebührt eben (schon lange) ein Platz in der ersten Reihe und prominenter Nachbarschaft.
Jan Dismas Zelenka: Missa paschalis / Georg Friedrich Händel: Funeral Anthem for Queen Caroline, 2 CDs, Prospero


