Violinsonaten eines Jahres

1878 entstanden oder erschienen drei Sonaten für Violine und Klavier, die das von Adam Markowski und Verena Louis gebildete Duo Codax auf einem neuen, hörens- und nachdenkenswerten Album versammelt. Bilden doch die Werke von Amanda Maier, Johannes Brahms und Robert Fuchs ein dichtes Netzwerk musikalischer, arbeitstechnischer und biographischer Beziehungen.

Ob es zwischen Amanda Maier und Robert Fuchs persönliche Kontakte gab, wissen wir nicht, die Verehrung beider für Johannes Brahms ist dagegen belegt – ebenso wie seine Wertschätzung für die weniger bekannten Kollegen, vor allem für den 14 Jahre jüngeren, ebenfalls nach Wien gezogenen Adepten, dem der oft maßlos Kritische überraschend warme Worte gönnte: „Fuchs ist ein famoser Musiker. So fein, und so gewandt, so reizvoll erfunden ist alles, man hat immer seine Freude daran.“

Für die 1. Violinsonate von Robert Fuchs gilt das in jedem Fall, auch wenn ihr Schöpfer selbst einige Zeit brauchte, um sich mit seinem durchaus opulenten, vielschichtig strukturierten Werk anzufreunden – möglicherweise war er mit der Verarbeitung der tiefromantischen und sehr einprägsamen Themen nie ganz zufrieden. Dem Idol ging es schließlich ganz ähnlich. So schrieb Brahms 1873 an Joseph Joachim:

Das, was man eigentlich Erfindung nennt, also ein wirklicher Gedanke, ist sozusagen höhere Eingebung, Inspiration, d.h. dafür kann ich nichts. Von dem Moment an kann ich dies ‚Geschenk‘ gar nicht genug verachten, ich muß es durch unaufhörliche Arbeit zu meinem rechtmäßigen, wohlerworbenen Eigentum machen.

1878 war allerdings auch Brahms 1. Sonate zu „wohlerworbenem Eigentum“ geronnen und so hinreißend geworden, dass Clara Schumann sie „lieb haben muß(te), wie weniges sonst auf der Welt“. Das eigenartige Changieren zwischen Dur und Moll, Aufbruchsstimmung und stiller Resignation bewegte schon die Zeitgenossen und entfaltet auch in der stimmungsvollen, formvollendeten Interpretation der Pianistin Verena Louis und des Violinisten Adam Markowski seinen unvergleichlichen Zauber.

Nachhaltig im Gedächtnis bleibt allerdings auch das melodienreiche und allemal effektvolle Eingangsstück, an dem Amanda Maier, die spätere Frau des Komponisten Julius Röntgen, mehrere Jahre arbeitete, so als würde sie ebenfalls dem Brahmsschen Diktum von der Unzulänglichkeit der bloßen Inspiration gehorchen. Vom Weg abbringen ließ sie sich dabei nicht, auch wenn es die männliche Konkurrenz bisweilen versuchte. Verena Louis zitiert eine höflich-weitschweifige, am Ende aber klare Antwort der Komponistin auf den Vorschlag des seinerzeit berühmten Kollegen Ferdinand Hiller, den vermeintlich untauglichen zweiten Satz doch einmal zu überarbeiten.

Was den Mittelsatz im Andantino betrifft, so werde ich selbstverständlich der Meinung eines Mannes wie Dr. Hiller größte Beachtung schenken und nachdem ich darauf aufmerksam gemacht wurde, gebe ich ihm Recht – aber – die Komposition der Sonate ist schon so lange her, ich habe mich so sehr an sie gewöhnt, dass es mir sicherlich schwerfallen würde, Änderungen vorzunehmen, und ich glaube nicht, dass sie dadurch besser würde. Mein Wunsch wäre daher, die Sonate könnte unverändert bleiben.

Amanda Maier: Violinsonate h-moll / Johannes Brahms: Violinsonate Nr. 1 / Robert Fuchs: Violinsonate Nr. 1, Genuin