Braune Relikte (43): Atlanta-Karte der Besatzungs-Zonen.
Schon gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zeichnete sich eine neue Blockkonfrontation zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion ab. Sie bewirkte die Gründung zweier neuer deutscher Staaten auf dem Territorium der ehemals alliierten Besatzungszonen.
Die 1945 auf der Konferenz von Potsdam beschlossene vorläufige Verwaltung der Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie durch die Sowjetunion und Polen führte zu millionenfachen Vertreibungen und Umsiedlungen Richtung Westen. Als der Alliierte Kontrollrat im März 1948 seine Arbeit einstellte, endete die einstige Kriegskoalition gegen Hitler-Deutschland. In London wurde auf der Sechs-Mächte-Konferenz beschlossen, im Westen einen zu bildenden deutschen Weststaat zu integrieren.
Am 1. Juli 1948 beauftragten die westalliierten Militärgouverneure die westdeutschen Ministerpräsidenten mit der Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung. Vom 1. September 1948 bis zum 8. Mai 1949 beriet der Parlamentarische Rat in Bonn über ein Grundgesetz, das nach Genehmigung durch die Westalliierten am 24. Mai 1949 in Kraft trat. Auf dem Territorium der drei Westzonen entstand die BRD. Am 7. September 1949 konstituierte sich der erste gewählte Deutsche Bundestag in Bonn als provisorischer Hauptstadt.

Die BRD wurde als sozialer demokratischer Rechtsstaat definiert. Konrad Adenauer setzte als erster Bundeskanzler die begonnene Politik der Westintegration fort. Kurz darauf kam es zur Gründung der DDR. Am 7. Oktober 1949 bildete sich in Ostberlin der Volksrat als provisorische Volkskammer und beschloss die Gründung der DDR auf dem Gebiet der SBZ nach sowjetischem Vorbild mit Planwirtschaft und Verstaatlichungen. In dem Zwangsstaat mussten sich die nominell bestehenden Parteien dem Führungsanspruch der SED-Einheitspartei unterordnen. Die Regierung blieb von der UdSSR abhängig.
Auch wenn eine Wiedervereinigung zwischen BRD und DDR – z.B. unter Perspektive der Neutralität – immer wieder diskutiert wurde, machte der Kalte Krieg diese Lösung der Deutschen Frage doch de facto unmöglich. Krisen wie die brutal unterdrückten Proteste ostdeutscher Arbeiter gegen die Erhöhung ihrer Arbeitsnorm um den 17. Juni 1953 oder der Konflikt um den Status Berlins, der am 13. August 1961 im Bau der Berliner Mauer gipfelte, führten immer wieder zu Konfrontationen.
Unter Bundeskanzler Willi Brandt (1913–1992; SPD) bewirkte die westdeutsche Ostpolitik eine erste Annäherung. Der Grundlagenvertrag vom 21. Dezember 1972 garantierte die Unverletzlichkeit der Grenzen. Die völkerrechtliche Anerkennung der DDR blieb jedoch aus. Am 9. November 1989 öffnete die DDR-Regierung unter dem wachsenden Druck der Bevölkerung die Grenzen. Mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Ostblocks, der sowjetischen Glasnost-Politik unter Gorbatschow und dem folgenden Ende des Kalten Krieges trat die DDR am 3. Oktober 1990 dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei. Der Schlüssel zur Vereinigung lag bei den Siegermächten. In den Zwei-plus-vier-Gesprächen verhandelten die Außenminister der UdSSR, der USA, Frankreichs und Großbritanniens seit Mai 1990 mit ihren deutschen Kollegen. Wichtigste Bestandteile waren die Garantie der Oder-Neiße-Linie als deutsche Ostgrenze und der endgültige Verzicht auf die ehemaligen Ostgebiete.
Zu dieser Serie
Es ist die Geschichte einer Stadt, doch was hier geschah, ereignete sich auch in vielen anderen deutschen Städten. Die Serie „Braune Relikte“ basiert auf der Sammlung Nationalsozialismus, die sich im Museumsquartier Osnabrück befindet. Anhand von Objektbiografien wird die Geschichte des Nationalsozialismus mit seinen Ursachen und Folgen veranschaulicht. So entsteht ein virtueller Lernraum, der die Fundstücke einer Diktatur analysiert, um Lernprozesse für demokratische Gesellschaften zu ermöglichen.


