Der lange Weg zur Kirche

Orte in Stadt und Land (2).

War Lotte die Frau eines Bürgermeisters im nahe gelegenen Osnabrück? Manche Menschen glauben, dass der kleine Ort an der Landesgrenze von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen auf diese Weise zu seinem Namen gekommen ist. Um die Frage zu beantworten, lohnt sich ein Rückblick in die Zeit, als Lotte zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde.

Zehn Kilometer westlich von Osnabrück war vor knapp 800 Jahren eine kleine Siedlung entstanden. Belegt ist, dass Bischof Konrad ein Dorf namens Lotte 1272 dem Kloster Gertrudenberg als Besitz übergeben hat. Weil Lotte damals noch keine Kirche hatte, mussten die Bewohner den langen Weg zur Marienkirche in Osnabrück antreten – das bedeutete zwei Stunden Fußmarsch vor und nach jedem Gottesdienst.

Erst 100 Jahre später gründete Graf Otto III. von Tecklenburg das Kirchspiel Lotte. Dadurch wurden die Menschen unabhängig von St. Marien und mussten den weiten Weg zur Kirche nicht mehr gehen. Geblieben ist den Osnabrückern jedoch bis in unsere Zeit der Straßenname „Lotter Kirchweg“.
Heute ist Lotte bundesweit bekannt durch das Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück, die Sportfreunde Lotte mischten eine Weile in der 3. Liga mit, aber viele sehen in Lotte nur einen Vorort Osnabrücks.

Woher kommt nun der Name des Ortes? Im Plattdeutschen ist noch heute von „Luote“ die Rede. Für Sprachforscher liegt es nahe, dass der Ursprung des Namens auf das altnordische Wort „luta“ zurück geht. Das bedeutet so viel wie Senke – und entspricht, wie man sehen kann, auch der Topografie.
Und was hat es jetzt mit der Bürgermeistersfrau Lotte auf sich? Falls es sie jemals gegeben hat, muss es wohl die flotte Lotte gewesen sein.