Quintette für den König

Luigi Boccherini (1743-1805) war nicht nur einer der produktivsten Komponisten des 18. und ganz frühen 19. Jahrhunderts. Sein riesiges Oeuvre zeichnet sich auch durch eine gleichbleibend hohe Qualität aus. Das gilt insbesondere für seine sage und schreibe 125 Streichquintette. Vier von ihnen präsentierten das Karski Quartet und der Cellist Raphael Feye bereits Ende 2023 auf einem hochgelobten Album. Nun folgen vier weitere, welche die Freunde erlesener Kammermusik nicht weniger begeistern dürften.

„Seitdem ich begonnen habe, Ihre Instrumentalmusik zu spielen, schenkt nur sie mir völlige Befriedigung und täglich erfreue ich mich an diesem Vergnügen“. Der preußische König Friedrich Wilhelm II., der Boccherini zum „compositeur de notre chambre“ ernannt hatte und für ein Jahresgehalt von 1.000 Talern regelmäßig neue Noten aus dem fernen Spanien erhielt, war mit seinem Lieblingskomponisten offenbar mehr als zufrieden. Den Monarchen begeisterten nicht nur der Erfindungsreichtum der Werke, ihre rhythmischen Finessen, die gediegene Eleganz, die vielen Überraschungselemente und das internationale Flair, sondern wohl auch der Umstand, dass es Boccherini scheinbar mühelos gelang, immer wieder den Anschein des Neuen, Frischen, Noch-nie-Dagewesenen zu erwecken.

Auch die aktuelle Einspielung, die vier für Friedrich Wilhelm II. komponierte Streichquintette aus den Jahren 1788-95 versammelt, läuft nie Gefahr, an Schwung zu verlieren oder sich gar zu wiederholen. Jedes Werk (und darin jeder Satz) besticht durch eine ganz eigene musikalische Faktur, unterschiedliche Farben und Stimmungsbilder. Tief- und Abgründiges wird hier ebenso zum Klingen gebracht wie Heiteres und Gutgelauntes, Schwungvoll-Tänzerisches, Pastorales und auch rückhaltlose Leidenschaft findet einen Platz – etwa in der mitreißenden Folia de España aus dem kurzen, aber brillanten Quintettino in A-Dur.

Das Karski Quartet und Raphael Feye verdienen sich mit zwei Weltersteinspielungen diskographische Meriten, bestechen aber vor allem durch ihre ausgefeilte, absolut hinreißende Interpretation, die nicht weniger abwechslungsreich ist als Boccherinis Partituren. Dass Kaja Nowak, Natalia Kotarba, Diede Verpoest, Julia Kotarba und ihr Zusatzcellist Feye wie schon auf dem ersten Album nicht nur die Erst- und Zweitstimme, sondern in Einzelfällen auch das Instrument tauschen, dürfte ganz im Sine des Komponisten sein.

Luigi Boccherini: Streichquintette G.349, 346, 340, 376 (op.42 Nr.2; op.41 Nr.1; op.40 Nr.1; op.51 Nr.1)