Von Höfen und Hufen

Der Name der Hopsten-Halverder Bauerschaft Höfen scheint auf den ersten Blick recht einfach zu erklären zu sein. Aus unserem heutigen Sprachempfinden heraus würden wir ihn ohne Zweifel als ‚bei den Höfen‘ übersetzen. Doch trügt hier das Gefühl.

Während wir heute alle bäuerlichen Betriebe als Hof bezeichnen, wurde in vormoderner Zeit (vor 1800) exakt zwischen dem Hof (lateinisch ‚curtis‘, ‚curia‘) und der Hufe (niederdeutsch ‚hôve‘, oberdeutsch ‚hube‘, lateinisch ‚mansus‘) unterschieden. Beide Wörter sind wohl nur ganz ursprünglich miteinander verwandt. Die Hufe war eine normale Bauernstätte mit meistens 30 Morgen Ackerland, aus der ein Grundherr Abgaben erheben konnte.

Die meisten heute noch bestehenden Bauernhöfe, die eine längere Geschichte aufzuweisen haben, sind also Hufen, keine Höfe. Denn mit Hof wurde ein umzäunter, herrschaftlicher Sonderrechtsbezirk, ein Herrenhof bezeichnet. Diese Höfe wurden ursprünglich entweder vom Herrn selbst bewohnt und bewirtschaftet oder, wenn dieser mehrere Höfe besaß, von einem abhängigen Verwalter, der im Münsterland Schulte, im Ostwestfälischen Meier bezeichnet wurde.

Das Tecklenburger Land ist eine Region des Übergangs, in der beide Bezeichnungen anzutreffen sind. Hier gibt es sowohl Meier- als auch Schultenhöfe. Dass adelige Herren ursprünglich selbst auf ihrem Herrenhof wohnten, zeigt auch die Tatsache, dass viele Burgen, Rittergüter und adelige Häuser im Verlauf des Mittelalters aus einem einstigen Herrenhof entstanden sind. Einem Herrenhof konnten auch mehrere Hufen untergeordnet sein. Dann spricht man von einem Hofverband oder einer Villikation.

Dieses zweigliedrige Verwaltungssystem von Herrenhof mit untergeordneten Hufen haben erst die Franken im Zuge der gewaltsamen Eingliederung Westfalens ins Frankenreich durch Karl den Großen in die Region gebracht. Die Höfe sind also größtenteils erst nach 800 n. Chr. entstanden. Zumeist lagen sie deshalb abseits der bäuerlichen Siedlungen auf Böden zweiter Wahl, die erst im 9. Jahrhundert oder später gerodet und kultiviert wurden. Doch nicht alle Höfe hatten zugehörige Hufen, sondern konnten auch herrschaftliche Einzelgüter zur Versorgung des Herrn und seines Haushalts sein.

Das sprachliche Problem besteht nun darin, dass im Niederdeutschen im Dativ Einzahl und Mehrzahl die Formen von Hof und Hôve sich sehr ähneln (dem hove / der hôve bzw. den hoven / den hôven), so dass Verwechslungen entstehen konnten und können. Genau diese Schwierigkeit findet sich auch beim Ortsnamen Höfen. Da nicht davon auszugehen ist, dass in der Bauerschaft Höfen mehrere Herrenhöfe lagen, gehört der Name nicht zu Hof, sondern zu Hôve ‚Hufe‘. Der Name Höfen bedeutet also ‚bei den Bauernstellen‘, nicht ‚bei den (Herren-)Höfen‘.

Während in Höfen also die Hufe vorliegt, findet sich im Harhof in Recke wirklich der Herrenhof, denn es handelt sich hier um einen alten Meierhof, wie auch die Benennung Haarmeier für die Besitzerfamilie zeigt. Der Hof wird bereits 1189 als „Harhus“ genannt. Auch der erste Teil des Namens Ha(a)r- zeigt an, dass es sich um einen Herrenhof auf Boden zweiter Wahl gehandelt hat. Denn nach neueren Forschungen bedeutet das Wort haar in den Örtlichkeitsnamen nördlich der Mittelgebirge in den allermeisten Fällen ‚Ecke, Winkel, Rand, Grenze‘ als Benennung von Ödland- und Heideflächen, also allgemein ‚abgelegenes Gelände‘. Der Haarhof war also der ‚Hof an der Haar‘ oder ‚Hof am abgelegenen Gelände.